Dem Stress richtig begegnen

Stress kennt jeder. Ob auf der Arbeit oder im Privaten. Für viele MFA/ZFA hat sich im Zuge der Corona-Pandemie vor allem am Arbeitsplatz der Stresslevel signifikant erhöht. Die Praxen sind gut gefüllt, die Patientinnen und Patienten oft dünnhäutiger, das Impfgeschehen bei vielen Ärztinnen und  Ärzten zusätzlich zum normalen Praxisalltag eine besondere Herausforderung. Wie der Umgang mit diesen Belastungen gut gelingen kann, erörterte Frauke Hombrecher, Mitarbeiterin der Personalentwicklung der Uniklinik RWTH Aachen, in gleich zwei Vorträgen im Rahmen der Aachener MFA-/ZFA-Wochen.

Dass wir oftmals unter Druck stehen, lässt sich kaum vermeiden, und die Liste möglicher Ursachen ist schier endlos. Potenzielle Stressfaktoren vollständig beseitigen zu wollen, ist weder alltagstauglich noch machbar. Was wir aber durchaus beeinflussen können, ist die Art, mit diesem Stress umzugehen. Anstatt die Überlastung als gegeben hinzunehmen und im Klagen darüber zu verharren, empfiehlt die Expertin, aktiv dagegen anzugehen. „Wir haben viele Möglichkeiten, Stress zu vermeiden oder abzubauen. Nur leider denken wir über diese Möglichkeiten oft gar nicht nach“, weiß sie. Dabei hätte jede und jeder einiges im eigenen „Handgepäck“, um Stress abzubauen. Aktiv zu werden, sei der entscheidende Punkt. Dazu gehört, die eigene Kreativität auszuleben, Entspannung zuzulassen, sich viel Sport und Bewegung am besten an der frischen Luft zu gönnen und sich Zeit für Hobbies und Reisen zu nehmen. „Im Alltag hilft es zudem, bewusste Momente einzubauen“, rät Frauke Hombrecher. Dieses Verhalten wird auch Achtsamkeit genannt und meint die beabsichtigte Wahrnehmung und das Erleben des aktuellen Momentes – mit allem, was dazu gehört: Gedanken, Emotionen, Sinneseindrücke, körperliche Vorgänge. Wer seine Ressourcen nutzt und achtsam lebt, kann sich so eine psychische Widerstandsfähigkeit aneignen, die hilft, Krisen zu bewältigen und negative Einflüsse weniger an sich heranzulassen. Zusammenfassend sind die wichtigsten Tipps der Expertin auf dem Weg zu dieser sogenannten Resilienz die Achtsamkeit im Alltag (zum Beispiel Wartepausen nutzen), Dinge bewusst zu erledigen, bewusst zu atmen, sich kleine Auszeiten und Belohnungen zu gönnen und Körper und Seele gesund zu halten.

Arbeitsorganisation und Selbstmanagement

Ein zweiter Ansatz, Stress zu bewältigen beziehungsweise ihn gar nicht erst aufkommen zu lassen, ist eine Verbesserung der eigenen Arbeitsorganisation und des Selbstmanagements. „Es gibt eine Reihe von Techniken, die helfen, den Arbeitsalltag und auch das Privatleben besser zu strukturieren“,
sagt Frauke Hombrecher. „Die eigenen Kräfte wirksamer einzusetzen, ist mit ihnen erlernbar.“ Manchmal helfen schon kleine Dinge, die am Ende Zeit für eigene Bedürfnisse herausschlagen. Die Liste der möglichen Methoden ist lang. Ihnen allen ist gemein, die eigene Zeit systematisch und diszipliniert zu planen und bei der Bearbeitung klare Prioritäten zu setzen, Pausen einzuplanen und sich Zeit für Hobbies und Interessen zu nehmen. So setzt die ABC-Methode dort an, Aufgaben in A = sehr wichtig (sofort erledigen), B = weniger wichtig (später erledigen oder delegieren) und C =
kaum wichtig bis unwichtig (delegieren oder verwerfen) einzuteilen. Die Eisenhower-Methode gewichtet die Dringlichkeit und Wichtigkeit einer Aufgabe und entlarvt so Aufgaben, die beispielsweise auch delegiert werden können. Auch Not-to-do-Listen identifizieren Überflüssiges, das vom eigenen Aufgabenzettel gestrichen werden kann. Die Alpen-Methode rät, Aufgaben aufzuschreiben, die Länge einzuschätzen, Pufferzeit einzuplanen, Entscheidungen zu priorisieren und letztendlich das Erreichte nachzukontrollieren. Das Pareto-Prinzip hilft dabei, effektiver zu arbeiten, da der Effekt ausgenutzt wird, dass in den meistenFällen 80 Prozent der Arbeit in 20 Prozent der Zeit erledigt werden können.

„Die Methoden sind keine Allheilmittel. Aber sie sollen anregen, das Selbstmanagement zu verbessern, indem man sich bewusst mit dem Thema auseinandersetzt“, sagt Frauke Hombrecher. „Jedem helfen andere Methoden besser, man kann sie kombinieren oder sich herauspicken, was einem nützt. Wichtig ist, sich überhaupt damit zu befassen, anstatt Stress als gegeben hinzunehmen und nichts dagegen zu unternehmen.“ Auch Zeiträuber zu entlarven und abzustellen, ist eine Taktik im Kampf gegen den Stress. „Natürlich ist es einfacher, sich nach der Arbeit aufs Sofa zu kuscheln und fernzusehen. Unser Zeitmanagement wird dadurch allerdings nicht besser. Und ob wir am Ende dadurch Stress abbauen, ist auch fraglich.“ Auch die ständige Erreichbarkeit, zu viele verschiedene Kommunikationswege, schlechte Kommunikation, mangelnde Planung, chaotische Arbeitsweise und Vergesslichkeit kosten wichtige Ressourcen im Alltag. Abhilfe schaffen hier Checklisten, Vorlagen für wiederkehrende Arbeiten, „Reminder“ im Kalender oder Gesprächsnotizen. Frauke Hombrecher ist sicher: „Wer einmal angefangen hat, sich mit dem Thema Selbstmanagement zu befassen, wird
feststellen, dass es immer Möglichkeiten gibt, sein Leben besser zu strukturieren und Abschied von schlechten Gewohnheiten zu nehmen.“

Privat- und Berufsleben unter einen Hut zu bekommen, ist nicht immer einfach. Fristen müssen gewahrt und das nächste Meeting vorbereitet werden. Der berufliche Alltag stellt uns immer wieder vor neue Probleme und Herausforderungen. Frauke Hombrecher eröffnete in ihrem Vortrag Strategien, wie man seine eigenen Kräfte und Ressourcen mobilisieren kann und wie sich der persönliche Tagesablauf verbessern lässt. Mehr dazu im Video.

Zeit lässt sich leider nicht vermehren, umso wichtiger ist es, Strategien für eine sinnvolle Arbeitsorganisation und ein effektives Selbstmanagement zu entwickeln. Frauke Hombrecher zeigte den interessierten Teilnehmerinnen Techniken, wie sich Zeit besser managen und der Alltag effektiv strukturieren lässt. Weitere Infos dazu im Video.

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