Hygiene-Management in der Arztpraxis

Bakterien und andere Erreger gehören zum Leben dazu. Unser Immunsystem sorgt dafür, dass sie uns nicht schaden – normalerweise. In Einrichtungen des Gesundheitswesens sieht das ganz anders aus. Denn dort verkehren Menschen, deren Abwehrkräfte krankheits- und/oder altersbedingt nicht so  gut funktionieren wie bei Gesunden. Darum ist Hygiene ein Muss! Jede Arztpraxis hat die Hygiene selbst zu organisieren und zu verantworten. Es geht darum, ein Hygienemanagement zu etablieren, das den bestmöglichen Infektionsschutz sowohl für Patienten als auch für die Ärzte und  Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Praxis gewährleistet. Dazu gehört, geeignete Strukturen und Prozesse zu schaffen, aber auch die persönliche Motivation und das Bewusstsein aller in der Praxis Beschäftigten für das Thema Hygiene zu fördern.

Deshalb hat das Kompetenzzentrum Hygiene und Medizinprodukte der Kassenärztlichen Vereinigungen und Kassenärztlichen Bundesvereinigung den zweiten überarbeiteten Leitfaden zur Hygiene in Arztpraxen veröffentlicht. Mit diesem Hygieneleitfaden steht ein umfassendes, kompaktes Informationswerk auf dem Gebiet der Hygiene zur Verfügung. Das Werk versteht sich als Unterstützungs- und Serviceangebot für das praxisinterne Hygienemanagement. Es soll einen Überblick über alle Anforderungen an die Hygiene in der Arztpraxis verschaffen – vor allem aber  Umsetzungsmöglichkeiten aufzeigen. Mit seiner übersichtlichen Struktur und Untergliederung soll der Hygieneleitfaden gleichzeitig Informationsquelle und Nachschlagewerk für Einzelfragen der Hygiene sein, ohne dass dafür der gesamte Leitfaden gelesen werden muss. Der Hygieneleitfaden enthält praxisnahe und möglichst gut umsetzbare Empfehlungen, von denen alle Praxen – unabhängig von deren Fachrichtung – profitieren können. Alles in allem bietet der Hygieneleitfaden eine gute Grundlage für das Erstellen des praxiseigenen Hygieneplans und das Überprüfen auf Aktualität.

Du findest den Praxisleitfaden zum kostenlosen Download auf der Website der Kassenärztlichen Bundesvereinigung: www.kbw.de.

 

Wie funktioniert eigentlich die Krankenhaushygiene in der Uniklinik RWTH Aachen?


Warum gerade in Kliniken Infektionen auftreten, ist schnell erklärt: Hier kommen viele Menschen zusammen. Jeder trägt Bakterien, Pilze und Einzeller mit sich herum, ganz natürlich, ohne dass sie Schaden anrichten. Aber: Gelangt ein Erreger beispielsweise in eine Wunde, kann er dort gefährlich werden. Das Team des Zentralbereichs für Krankenhaushygiene und Infektiologie an der Uniklinik RWTH Aachen setzt alles daran, Infektionen zu vermeiden. Darum liegt der Fokus auf der Prävention.

Ein wichtiger Aspekt ist die sogenannte Surveillance. Darunter versteht man die kontinuierliche systematische Beobachtung, Analyse, Interpretation und Berichterstattung von Erreger- und Infektionsdaten. Diese können für die Planung, Einführung und Bewertung von hygienischen Maßnahmen notwendig sein, aber auch für die Rückverfolgung eines Ausbruchsgeschehens. Ein weiterer Bestandteil der Arbeit der Krankenhaushygiene sind Visiten auf Station. Das Team der Krankenhaushygiene hat Schwerpunktstationen, beispielsweise die Intensivstationen, wo es einmal wöchentlich ABS-Visiten macht (ABS = Antibiotic Stewardship). Dabei geht es um den optimalen Einsatz von Antiinfektiva, also Medikamenten gegen Infektionen. Die Krankenhaushygiene bespricht gemeinsam mit dem zuständigen Arzt der Station die Patienten mit antiinfektiver Therapie und macht hierbei sowohl Empfehlungen zur Therapie als auch zur weiteren Diagnostik. Bei Bedarf bietet das Team  auch Konsile an.

Die Basishygiene (Standardhygiene) in der Uniklinik RWTH Aachen umfasst Maßnahmen, die bei jedem Patienten – unabhängig vom Kolonisations- oder Infektionsstatus – durchzuführen sind. Die Basishygienemaßnahmen sind tätigkeitsbezogen und sollen eine Erregerübertragung vermeiden.

Übersicht der Maßnahmen zur Basishygiene:

  •  Händehygiene
  • Barrieremaßnahmen (Persönliche Schutzausrüstung wie Schutzkittel)
  • Aufbereitung von Medizinprodukten
  • Flächendesinfektion
  • Sichere Injektions- und Infusionstechnik
  • Umgang und Entsorgung mit Abfall und Wäsche