Traumberuf trotz Pandemie

Die Corona-Pandemie hat uns alle beruflich wie privat vor große Herausforderungen gestellt. praxis hat Cemile Kanak, MFA in der Downtown Clinic in Aachen, gefragt, wie sie die vergangenen 14 Monate erlebt hat. Außerdem verrät sie, warum sie ihre Arbeit so sehr mag und was sie sich für den nächsten Aachener MFA-/ZFA-Tag wünscht.

 

Frau Kanak, wie lange sind Sie schon als MFA tätig, wie viele Jahre davon in der Praxis Sagy El Meadawy?

Cemile Kanak: Ich habe mit 16 Jahren meine Ausbildung in einer Augenarztpraxis begonnen und aufgrund familiärer Umstände abgebrochen. Da habe ich mich erstmal einige Jahre der Familie gewidmet. Als die Kinder größer waren, habe ich mit 36 Jahren die Ausbildung in einer nephrologischen Praxis noch einmal neu begonnen. Nun arbeite ich seit neun Jahren in der Praxis Sagy El Meadawy als medizinische Fachangestellte.

Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit besonders viel Freude?

Cemile Kanak: Ich liebe meinen Beruf. Daher habe ich diesen nach meiner Familienzeit auch noch mal neu begonnen. Ich wollte immer Menschen helfen und sie bei körperlichen und seelischen Problemen unterstützen. Der Beruf der MFA ist mein Traumberuf.

Wie hat sich die Arbeit durch Corona verändert beziehungsweise mit welchen Herausforderungen hatten/haben Sie zu kämpfen?

Cemile Kanak: Es hat sich einiges geändert! Jeden Tag müssen wir etwas anderes organisieren und neue Vorgaben umsetzen. Terminabsagen hat es zum Glück nur wenige gegeben, tatsächlich wurden eher noch mehr Termine gemacht. Die Menschen hatten einen großen Informationsbedarf. Die Praxis war gerade zu Beginn der Pandemie immer sehr voll und unsere Patientinnen und Patienten standen in langen Schlangen vor der Praxis. Es war eine große Herausforderung, die Hygienevorschriften einzuhalten, aber auch den Patienten gerecht zu werden, die vor der Türe warten mussten. Das war ziemlich stressig. Unsere Ärztinnen haben in der Zeit auch viel mehr Hausbesuche gemacht als sonst. Wir MFAs mussten teilweise auch zu den Patienten nach Hause und ihnen Rezepte oder Medikamente vorbeibringen. Wir wollten unbedingt eine gute Versorgung gewährleisten. Unsere Patienten sollten die Behandlung bekommen, die ihnen zusteht. Das war uns wichtig. Am Anfang der Pandemie hatten viele Angst, sich mit Corona anzustecken. Man wollte helfen, konnte es aber nicht richtig. Wahrscheinlich war das aber überall so. Jetzt, wo die Impfung da ist und die Fallzahlen zurückgehen, sind diese Sorgen weniger geworden. Ein neues Problem sind nun allerdings die fehlenden Impfdosen.

Apropos Impfung: Wie kommen Sie damit voran?

Cemile Kanak: Das ist ein heikles Thema. Es gibt wenig Impfstoff, deshalb kann man viel weniger impfen, als man möchte. Wir können die Impfungen nicht so schnell anbieten, wie sie am Telefon angefragt werden. Da so intensiv in den Medien darüber berichtet wird und jeder Bescheid weiß, dass sich nun alle impfen lassen können, melden sich viel mehr Patientinnen und Patienten als wir mit unseren Impfungen versorgen können. Wer einen Termin bekommt, kann sich bei uns mittwochs und freitags impfen lassen.

Mal ganz abgesehen von Corona: Wie gehen Sie mit Stress im Arbeitsalltag um?

Cemile Kanak: Eigentlich bin ich ein Mensch, der in Stresssituationen gelassen bleibt. Meine Freundlichkeit möchte ich nicht verlieren, auch wenn es manchmal schwierig ist. Vor Corona habe ich viel Sport zum Ausgleich gemacht. Da die Fitnessstudios während der Corona-Pandemie geschlossen waren, gehe ich seitdem im Wald spazieren, lese viel oder verbringe Zeit mit der Familie, um nach einem stressigen Tag zur Ruhe zu kommen.

Was wünschen Sie sich für den nächsten MFA-/ZFA-Tag?

Cemile Kanak: Leider musste der MFA-Tag im letzten Jahr ja pandemiebedingt ausfallen. Vorher bin ich immer sehr zufrieden gewesen und habe auch immer unsere Auszubildenden mitgenommen. Während der Coronazeit mussten wir MFAs viel organisieren, daher würde ich mir auch Themen und Workshops zur Praxisorganisation oder zum Treffen von schnellen Entscheidungen wünschen. Außerdem würde ich mich freuen, wenn der abgesagte Praxisabend in der Notaufnahme der Uniklinik bald nachgeholt würde. Das Thema interessiert mich sehr.